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5. Öffentliches Agenda-Forum

Datum: 25. November 1999, 18:30 Uhr
Ort: Technisches Rathaus, Brunnenstraße 3
Moderation: Uta Röck, Volkshochschule Tübingen e.V.
Protokoll: Julia Bernanke
Teilnehmer: ca. 60

Die Umweltbeauftragte Sybille Hartmann stellt den Rahmen der Veranstaltung vor und weist auf die Ausstellung mit Bildern zum Thema "Kinder malen ihre Zukunft" hin, eine Aktion des Klimatisches beim Tag der offenen Tür der Stadtwerke im Oktober 99. Ausserdem können sich die Anwesenden durch Probieren von dem Projekt des Landnutzungstisches, der Salamie "Tübinger Stocherstange" überzeugen lassen. Dazu gibt es heimischen Bioland Apfelsaft aus Kilchberg.

Uta Röck stellt die Struktur der Veranstaltung vor:

  1. soll über die vorhandenen Projekte berichtet werden;
  2. soll der Prozess des Verknüpfens zwischen sozialem, ökologischem und ökonomischem verdeutlicht werden; und
  3. soll am Ende des Forums noch Platz sein für neue Projektideen.

1. Berichte

Der Geographiestudent Heiner Lamprecht hat die Internetseiten des Tübinger Agenda-Prozesses entworfen und führt auch die Betreueung und Aktualisierung durch. Er beginnt anhand einer Internetpräsentation mit der Vorstellung der Strukturen und der laufenden Projekte. An sechs verschiedenen Tischen werden Probleme, Ideen, Projekte diskutiert und an deren Realisierung gearbeitet:

Gesundheitstisch:
Dieser Tisch wird vom Gesundheitsamt betreut, er ist der jüngste aller Tische. Ein konkretes Projekt existiert z.Zt. noch nicht, Thema der Überlegungen ist zur Zeit ein Leitbild für eine gesunde Stadt.
Handelstisch:
Dieser Tisch wird von der evangelischen Kirche betreut. Das Ziel ist die Fairwertung von Altkleidern aus Kleidersammlungen in Tübingen. Damit soll vermieden werden, dass durch den Verkauf von Altkleidern aus Deutschland in den Ländern der 3. Welt die regionalen Märkte und Strukturen zerstört werden. Nach einem Studientag im Sommer 1999 werden jetzt Gespräche mit dem Landratsamt und der Stadt Tübingen über die Aufstellung von Altkleidercontainern der Aktion Hoffnung geführt. Außerdem werden im Jahr 2000 zwei Punktsammlungen (das bedeutet, dass an bestimmten zentralen Orten, wie z.B. der Kirche, gesammelt wird) durchgeführt.
Klimatisch:
Der Klimatisch wird von der Stadt Tübingen betreut. Es wurden zwei Projekte durchgeführt:
  1. eine Malaktion im Kunstunterricht an Tübinger Schulen zum Thema Klima in Tübingen. Dir Bilder wurden im März 1999 in der Villa Metz ausgestellt.
  2. Zur Reduzierung des CO2-Ausstosses an der Uni wurde für das Geographische und Geologische Institut ein Fragebogen ausgearbeitet, um das Energieverhalten und Energiebewußtsein der Institutsangehörigen zu erfassen. Auf Initiative der Fachschaft Biochemie wird als neues Projekt jetzt der Fragebogen für das Biochemische Institut überarbeitet.
Landnutzungstisch:
Dieser Tisch wird vom Umweltzentrum betreut. Er hat als Projekt die Salami "Tübinger Stocherstange" und deren Markteinführung vorzuweisen. Dabei handelt es sich um ein Produkt zur Schließung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Die alten Milchkühe von Landwirten aus der Region werden nicht anonym zu Schlachthöfen in Europa transportiert, sondern bei der Metzgerei Rieker in Bodelshausen zu Rindersalami verarbeitet. Die Adressen der Verkaufstellen liegen auf dem Info-Tisch aus und können im Internet eingesehen werden.
Wirtschaftstisch:
Dieser Tisch tagt unter der Schirmherrschaft der Volkshochschule. Die Beteiligten suchen Berührungsängste zwischen der LA 21 und der Wirtschaft. Nach einer gut besuchten Diskussionsveranstaltung im März 1999 mit Vertretern Tübinger Firmen (transtec, Erbe, Dr. Jäger) werden jetzt gemeinsame Informationsveranstaltungen vorbereitet.
Initiativtisch:
Dieser Tisch tagt im Bürgerbüro. Er hat kein eigenes beispielhaftes Projekt, sondern er beschäftigt sich mit der Grundlagenarbeit, und versucht eine neue bessere Struktur zu erarbeiten.

Ausblick/Ziele des Initiativtisches:

  1. Vernetzung der LA 21 mit dem Bürgerbüro und den Stadtteilforen
  2. Erweiterung der Struktur
  3. Leitbildentwicklung

Fragen/Anregungen:

Was bedeutet faire Kleiderverwertung?
Antwort Romeo Edel: Unternehmen sollen versuchen, Kleidermissbrauch zu vermeiden. Es soll keine Gewinnmaximierung durch die sammelnden Organisationen und keine Zerstörung lokaler Märkte stattfinden. Altkleider sollen möglichst in Europa bleiben.

2. Vernetzung der Aktivitäten auf bürgerschaftlichen Ebene

Uta Schwarz-Österreicher, Leiterin des Sozialamtes, berichtet über den Stand der Vernetzung des Agendaprozesses mit anderen bürgerschaftölichen Aktivitäten. Im Bürgerbüro Tübingen laufen die Fäden des vom Land geförderten bürgerschaftlichen Engagements zusammen: die Freiwilligen Zentrale, die Tauschbörse, die verschiedenen Stadtteilforen Lustnau, Nord, französisches Viertel und die Planungsgruppe Weststadt. Eine Zusammenarbeit zur Agenda-Geschäfts ist begonnen. Bei der Bewerbung zum Wettbewerb der Bertelsmannstiftung haben Bürgerbüro, Stadtteilforen und Agenda-Aktive zusammengearbeitet.

Das gemeinsame Ziel soll mehr Engagement der Bürgerschaft sein, zum Beispiel durch stadtteilbezogene Agenda-Tischen in den Stadtteilforen. Wichtig ist nicht nur die Vernetzung auf der Projekt-Ebene, auch die Politik muß miteinbezogen werden, z.B. im Prozess der Leitbildentwicklung. Es müssen Wege zum Austausch zwischen den Agenda-Aktiven, anderen bürgerschaftlich Engagierten, dem Gemeinderat und der Verwaltung gefunden werden. Kontakte mit Schulen müssen geknüpft werden und es muss geschaut werden, wo noch andere Aktivitäten laufen.

Eine Form des Austauschs und der Vernetzung könnte auch auf dem Agenda-Forum stattfinden.

Fragen und Diskussion

Engagierte Bürger befürchten, bei zuviel Organisation von der Verwaltung vereinnahmt und bevormundet zu werden!
Deshalb müssen Kontakte zwischen den Bürgern und der Verwaltung her. Die LA 21 wird von den Bürgern gesteuert und die Verwaltung soll mit ihnen arbeiten. Als Kontaktpunkt könnte der Initiativtisch stehen. Außerdem gibt es auch viele Bürger, die in verschiedenen Bereichen (Umwelt, Verkehr) aktiv sind. Dies läuft allerdings nicht unter dem Begriff "Bürgerschaftliches Engagement", sondern unter Umweltschutz, etc. Hier müssen Gemeinsamkeiten gefunden und ausgebaut werden!
Gibt es Projekte, in denen soziale, ökologische und ökonomische Initiativen vereint werden?
Ziel ist es bei allen Projekten, diese Schwerpunkte zu vereinen, die Ausprägung hägt jedoch vor allem von den Beteiligten ab.
Warum sitzen wir eigentlich hier? Was versprechen wir und von dem Forum?
Die Chance zu einer besseren Zusammenarbeit sowie eines besseren Austausches aller Beteiligten ist innerhalb des Forums möglich.

3. Vorstellung neuer Projekte und Projektideen:

Nachhaltige Stadtteilentwicklung in der Tübinger Nordstadt
Martina Wulfmeyer, aktive Bürgerin im Nordstadtforum

Es gibt in der Nordstadt keine Infrastruktur vor Ort. Die Leute beklagen sich, dass keine Kommunikation möglich ist, da es zu wenig öffentliche Einrichtungen, wie z.B. Cafes etc., gibt. Wie schafft man nun eine bessere Kommunikation? Es wurde unter anderem zu diesem Thema beim Nordstadtfest ein Fragebogen verteilt, der von den Bewohnern beantwortet werden soll. Nun sind Leute gesucht, die von der Stadtplanung über die Wirtschaft bis zum sozialem Leben und der Freizeit helfen, für die Nordstadt den Weg zu einer besseren nachhaltigen Entwicklung zu finden.

Nächster Termin: Di. 1.2.2000, 20:00 Uhr, Geschwister-Scholl-Schule.

Freihaltung der Mittelhangzonen
Sybille Hartmann, Umweltbeauftragte

Es ist schon vor einiger Zeit im Gemeinderat beschlossen worden, die Mittelhangzonen im Stadtgebiet und am Stadtrand von der Bebauung freizuhalten. Aber was passiert, wenn auf den Flächen keine Nutzung stattfindet? Es entsteht früher oder später Wald. Was kann und muss nun getan werden, um die Landschaft freizuhalten. Mit welchen Lösungen können die unterschiedlichen Wünsche an Freizeit, Landbewirtschaftung, Naturschutz und Landschaftsbild dauerhaft befriedigt werden? Dafür werden noch Leute gesucht, die Lust haben, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Nächster Termin: Di. 22.2.2000, 17:30 Uhr, Technisches Rathaus.

Handel und Konsum
Manuel Haus (i.A. von Keno Tönjes), Umweltzentrum Tübingen

Nach Durchsicht der vorhandenen Papiere und Stellungnahmen hat der Einzelhandel an sich einen guten ökologischen Ansatz. Damit Konsum und Einzelhandel nachhaltiger werden, muss jedoch noch überprüft werden, auf welche Weise auch die ökonomischen und sozialen Kriterien miteingebracht werden können. Es soll zu einer Verzahnung zwischen dem Einzelhandel, der Verwaltung und den Umweltaktiven kommen.

Nächster Termin: Di. 7.12.1999, 20:00 Uhr, Umweltzentrum, Kronenstraße 4

Frauenprojekt
Edda Rosenfeld, Frauenbeauftragte

Auf einem gemeinsamen Workshop von Frauengruppen und aktiven Frauen ist die Idee entstanden, ein eigenständiges, finanziell abgesichertes Frauenzentrum zu gründen. Dieses oll Wohnraum für Frauen schaffen, sowie Platz für kulturelle Veranstaltungen bieten. Auch als Cafe etc. könnte es dienen.

Nächster Termin: noch nicht vorhanden

Armutsbericht/Sozialbericht
Sybille Hartmann

Das Sozialforum möchte die Arbeit am Armuts- und Sozialbericht in den Agenda-Prozess integrieren. Sie wird dafür Kontakte herstellen.

Nächster Termin: direkt im Anschluß an das Forum

Neue Projektideen aus dem Publikum:

Streuobstprojekt:
für einen regionalen Tübinger Apfelsaft
Ansprechpartner: Martin Engelhart, Tel.: 66905 / Sybille Hartmann, Tel.: 2042390
Faire Preise für Kleider in Peru
Ansprechpartner: Walter Schwenninger, Tel.: 51060

4. Ausblick/Kritik

Es wurde kritisiert, dass zuviel über die Vergangenheit gesagt wurde, und zuwenig über die Zukunft.

Es war schade, dass am Ende keine Zeit für einen Ausblick oder für Perspektiven blieb!

Deshalb müssen die Berichte das nächste Mal noch kürzer gehalten werden.

© Lamprecht