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2 Projektfindung und Durchführung

Grundlage für die Projektauswahl des Agenda-Tisches Klima war der Beitritt der Stadt Tübingen zum Klimabündnis. Damit hat sich die Stadt dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2010 den CO2 Ausstoss um 50% zu reduzieren.

Abb. 2.1: CO2-Bilanz der Stadt Tübingen

Die CO2-Bilanz Tübingens zeigt, dass die Universität mit 11,6% der größte Einzelemittent von CO2 in Tübingen ist. Darüber hinaus kannten viele Teilnehmende Beispiele unnötigen Energieverbrauchs an der Universität aus eigener Erfahrung. Der Uni-Streik Ende '97 hatte außerdem eine hohe Motivation und Änderungsbereitschaft an der Universität hervorgebracht. Schließlich bot die Beteiligung von Verwaltung, Hausmeistern, Lehrenden und Studierenden die notwendige breite Basis für einen Konsultationsprozess im Sinne der Agenda 21.

Bei der Suche nach Konkretisierungsmöglichkeiten für ein Uniprojekt stieß der Klima-Tisch auf zwei wichtige Informationen:

  • 1994 wurde von der Europäischen Rektorenkonferenz in Genf die COPERNICUS-Charta1 verabschiedet. Sie hat das Ziel der Umsetzung der Agenda 21 an den Hochschulen. In Baden-Württemberg haben nur zwei Universitäten (Karlsruhe und Hohenheim) die COPERNICUS-Charta unterzeichnet.
  • Mit Beschluss des Landtags vom 16.07.97 ist in Baden-Württemberg ab dem Haushaltsjahr 1998 erstmals eine volle gegenseitige Deckungsfähigkeit zwischen den Energiebewirtschaftungskosten (Titel 51705) und den Bewirtschaftungskosten für Wasser und Abwasser (Titel 51701) auf der einen und den Mitteln der Titelgruppe 71 - insbesondere dem Aufwand für Lehre und Forschung - auf der anderen Seite vorgesehen. Damit kommen eventuelle Einsparungen im Energiesektor direkt den einzelnen Instituten zugute.

Die Umsetzung der AGENDA 21 an den Hochschulen ist durch die COPERNICUS-Charta bestimmt worden. Das Aktionsprogramm der CRE (Conference of European Rectors) hat folgende Inhalte:
Selbstverpflichtung der Hochschulen:
Die Universitäten verpflichten sich in Worten und Taten den Prinzipien des Umweltschutzes und der Nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) zu folgen.
Umweltethik und Nachhaltige Konsummuster:
Die Universitäten werden sich bemühen, unter ihrem Lehrpersonal, ihren Studenten und der weiteren Öffentlichkeit nachhaltige Konsummuster und ökologische Lebensstile populär zu machen. Dazu werden sie u.a. Fortbildungsprogramme entwickeln, um die Lehrkompetenz des Personals im Hinblick auf Umweltfragen zu erhöhen.
Weiterbildung der Universitätsbeschäftigten und Förderung des umweltverantwortlichen Handelns:
Die Universitäten werden ein Weiterbildungsprogramm und Trainingskurse über Umweltfragen und Nachhaltige Entwicklung für ihre Beschäftigten einrichten und sie generell zur Beschäftigung mit diesen Fragen ermuntern, so dass sie in ihrem Arbeitsalltag umweltverantwortlich handeln können.
Ökologisierung von Lehre und Forschung:
Die Universitäten werden Umweltgesichtspunkte in alle ihre Tätigkeiten einbeziehen. Sie werden Programme zur Ökologisierung von Lehre und Forschung aufstellen, die das Personal in die Lehre und in die Forschung ebenso einbeziehen wie die Studenten. In welchem Feld sie auch arbeiten, sollen sie sich den globalen Herausforderungen von Umwelt und Entwicklung stellen.
Interdisziplinarität:
Die Universitäten werden interdisziplinäre und ressortübergreifende Bildungs- und Forschungsprogramme zum Themenbereich Nachhaltige Entwicklung initiieren und fördern und dies als eine ihrer zentralen Aufgaben begreifen. Sie werden versuchen, bestehende Konkurrenzen zwischen den Disziplinen, Instituten und Arbeitsgruppen zu überwinden.
Verbreitung von Wissen und Information:
Gegenwärtig ist die für Studenten, Fachleute, Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit verfügbare Literatur über Nachhaltige Entwicklung noch lückenhaft. Die Universitäten unterstützen Bemühungen, diese bestehenden Lücken zu füllen, in dem sie informative didaktische Materialien erarbeiten, öffentliche Vorlesungen und Seminare organisieren und Trainingsprogramme einrichten. Sie bereiten sich ferner darauf vor, in ihrem Bereich Öko-Audits durchzuführen.
Netzwerkbildung:
Die Universitäten werden die Bildung interdisziplinärer Netzwerke von Umweltexperten unterstützen, und zwar auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Ziel ist die Zusammenarbeit an gemeinsamen Umweltprojekten sowohl in der Forschung, als auch in der Lehre. Zu diesem Zwecke werden sie den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern fördern.
Partnerschaften mit anderen Bereichen der Gesellschaft:
Die Universitäten werden Initiativen ergreifen, um Partnerschaften mit anderen Bereichen der Gesellschaft einzugehen. Es geht um koordinierte Ansätze, Strategien und Aktionsprogramme zur Förderung Nachhaltiger Entwicklung.
Bildungsprogramme für einzelne Gruppen außerhalb der Universität:
Die Universitäten werden Umweltbildungsprogramme zum Problemkreis Nachhaltiger Entwicklung für verschiedene Zielgruppen konzipieren, z.B. für Beschäftigte der Wirtschaft, für die Angehörigen der öffentlichen Verwaltung, für Nicht-Regierungsorganisationen und für die Medien.
Technologietransfer:
Die Universitäten werden zu Fort- und Weiterbildungsprogrammen beitragen, die den Transfer von innovativen Technologien und neuen Management-Methoden zum Ziel haben.

Mit diesen Informationen ging der Agenda-Tisch "Klima" daraufhin auf die Institutsleitungen des Geographischen Instituts und des Instituts für Geologie und Paläontologie zu, um sie für ein Projekt im Gebäude Hölderlinstraße 12 / Sigwartstraße 10 zu gewinnen. Wesentlich schwieriger zeigte sich der Versuch, von der zentralen Verwaltung Verbrauchsdaten des Gebäudes zu erhalten.

In den folgenden Monaten bemühte sich der Agenda-Tisch weiter um den Erhalt der Gebäudedaten, stellte das Projekt auf einer Institutsversammlung im Geographischen Institut vor, knüpfte Kontakt zu den beiden Fachschaften und arbeitete einen Fragebogen aus.

Im Oktober '98 erhielt der Tisch die erbetenen Verbrauchsdaten des Institutsgebäudes, leider versehen mit dem Hinweis, dass aus technischen Gründen keine Messung des Wärmeverbrauchs durchgeführt wird. Eine Erneuerung des Messanlagen ist zwar geplant, dürfte jedoch wohl vor 1999 nicht realisiert werden. Damit entfiel fürs Erste zwar die mögliche Kosteneinsparung als Motivationsschub, aber eine Bestandsaufnahme zum Kenntnisstand und zu den Handlungsmöglichkeiten der Gebäudenutzenden war auf jeden Fall als Basis für weitere Aktivitäten zum Klimaschutz an der Universität sinnvoll.

Gemeinsam mit den Fachschaften wurden im November und noch einmal im Januar Fragebögen in den Instituten verteilt. Die Fragebögen enthielten insgesamt sechs große Frageblöcke:

  1. Persönliche Daten
  2. Wärme
  3. Beleuchtung und Belichtung
  4. Strom
  5. Verkehr
  6. Vorschläge

1 COPERNICUS: Cooperation Programme in Europe for Research on Nature and Industry through Coordinated University Studies

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