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1.1 Die Agenda von Rio
1.2 Die Agenda der Kommunen
1.3 Die Lokale Agenda 21 in Tübingen
1.1 Die Agenda von Rio
In Rio de Janeiro fand 1992 die
"Konferenz der Vereinten
Nationen für Umwelt und Entwicklung" (UNCED) statt. Das
wichtigste Ergebnis dieser bislang größten Konferenz der
Geschichte ist die
"Agenda 21",
ein weltweites Handlungsprogramm, das das Prinzip der Nachhaltigkeit
als Grundprinzip nationalen Handels festschreibt. Der
Grundgedanke dabei ist die Erkenntnis, daß die
drängendsten Probleme, denen die Menschheit
gegenübersteht, nicht einzeln und getrennt voneinander,
sondern nur zusammenhängend betrachtet und gelöst werden
können. Diese Lösung kann nur gelingen
"in einer globalen Partnerschaft, die auf eine
nachhaltige Entwicklung ausgerichtet
ist".1
Die Agenda 21 gliedert sich in 4 große Teile mit
insgesamt 40 Kapiteln.
Diese behandeln nicht nur die verschiedenen
Problemfelder, sondern zeigen auch Wege auf, wie diese
Probleme angegangen werden können und welche Gruppen und
Einrichtungen hierzu beteiligt werden müssen.
- Teil 1: Soziale und wirtschaftliche Dimension
-
z.B. Armut, Konsum, Siedlungsentwicklung, ...
- Teil 2: Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen für die Entwicklung
- z.B. Klima, Boden, Wald, Wasser, biologische Vielfalt, ...
- Teil 3: Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen
- z.B. Frauen, Jugendliche, indigene Völker, Kommunen, Wissenschaft, Gewerkschaften,
Wirtschaft, ...
- Teil 4: Möglichkeiten der Umsetzung
- z.B. Bildung, Information, Finanzierung,
institutionelle Rahmenbedingungen, ...
Aufgrund ihres globalen Ansatzes bleibt die Agenda 21 in
vielen Bereichen jedoch sehr vage. Sie beschreibt
hauptsächlich, was getan werden muß, läßt aber
größtenteils offen, wie dies erreicht werden
kann. Diesen Weg müssen die verschiedenen Akteure
jeweils selbst finden.
1.2 Die Agenda der Kommunen
Im
Kapitel 28 der Agenda
21 heißt es unter dem Titel "Initiativen der Kommunen
zur Unterstützung der Agenda 21":
Da viele in der Agenda 21 angesprochenen Probleme und
Lösungen auf Aktivitäten auf der örtliche Ebene
zurückzuführen sind, ist die Beteiligung und
Mitwirkung der Kommunen ein entscheidender Faktor bei
der Verwirklichung der in der Agenda enthaltenen
Ziele.
(...) Als Politik- und Verwaltungsebene, die den
Bürgern am nächsten ist, spielen sie eine
entscheidende Rolle bei der Informierung und
Mobilisierung der Öffentlichkeit und ihrer
Sensibilisierung für eine nachhaltige,
umweltverträgliche Entwicklung.
In dem Kapitel werden die Kommunen weltweit
aufgefordert, gemeinsam mit ihren Bürgern, örtlichen
Organisationen und der Privatwirtschaft eine eigene,
kommunale Agenda 21 zu erarbeiten.
Obwohl die Agenda die Kommunen auffordert, bis 1996
einen solchen Prozess zu beginnen, hatten zu diesem
Zeitpunkt vor allem in Deutschland nur die wenigsten
Kommunen damit angefangen.
1.3 Die Lokale Agenda 21 in Tübingen
Um diesen Prozess auch in Tübingen in Gang zu bringen,
hat sich im April 1997 der
"Initiativkreis Lokale Agenda 21"
gegründet. In diesem Kreis haben Vertreterinnen und
Vertreter von rund 15 verschiedenen Gruppen,
Organisationen und Institutionen, unter ihnen auch das
Geographische Institut,
nach Wegen gesucht, wie ein solcher Prozess einer Lokalen
Agenda 21 in Tübingen aussehen könnte.
Auf einem öffentlichen Forum wurde im Herbst des selben
Jahres ein Vorschlag zu einem zwei-phasigen Vorgehen
vorgestellt, der großen Zuspruch fand.
- In der ersten Phase sollten in verschiedenen
Arbeitsgruppen
("Agenda-Tische")
zu verschiedenen Themenbereichen
Projekte erarbeitet werden, die beispielhaft zeigen, wie
nachhaltiges Handeln konkret aussehen kann.
- In der anschließenden zweiten Phase sollen dann
nach einem
Beschluss des Gemeinderats unter Beteiligung aller gesellschaftlicher Akteure
Handlungsrichtlinien und Verpflichtungen sowie
verbindliche Ziele für die Stadt formuliert und
beschlossen werden.
Im Anschluß an das öffentliche Forum gründeten sich
insgesamt 5 Agenda-Tische zu den Schwerpunkten Klima,
Handel, Wirtschaft, Landnutzung sowie die
Weiterentwicklung des Agenda-Prozesses in
Tübingen. Diese Tische haben regelmäßig alle sechs
Monate auf öffentlichen Agenda-Foren über ihre Arbeit
berichtet und mit einer breiten Öffentlichkeit
diskutiert. Die derzeitige Struktur des Agenda-Prozesses
ist in Abbildung 1.1 dargestellt. Der Agenda-Tisch
"Gesundheit und Lebensstile" hat sich im Anschluß an das
3. Agenda-Forum im November 1998 gegründet.
Im Oktober 1998 hat der Tübinger
Gemeinderat
einen einstimmigen Beschluss zur Aufstellung einer
Lokalen Agenda 21 in Tübingen gefasst. Darin bekennt er
sich ausdrücklich zu seiner Verantwortung für eine
nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung.
Am Agenda-Tisch "Klima" haben regelmäßig ca. 15 Personen
teilgenommen, von den Stadtwerken, vom "Arbeitskreis
Energiewende", Studierende der Geographie und der
Politikwissenschaften, aktive Bürgerinnen von Terre des
Femmes und der ev. Kirchengemeinde, vom Ulmer
Arbeitskreis für nachhaltiges Wirtschaften und
andere. Moderiert wird der Agenda-Tisch Klima von der
Diplom-Geographin Heidi Megerle, die Koordination und
Betreuung lag bei der Umweltbeauftragten der Stadt
Tübingen, Frau Dr. Hartmann.
Abb. 1.1: Derzeitige Struktur des Tübinger
Agenda-Prozesses
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